Das Redaktionsteam erspart sich einen Kommentar zu dieser Absage. Aber für uns reimt sich auf Jochen Gerz nur „schlechter Scherz und viel Kommerz“. Umso wichtiger, hier an einen Mann zu erinnern, der keinem Streit aus dem Weg ging: Ernö Goldfinger.

 


Geht mit Gott:
Ihre Kiddingo.de Redaktion

„... und dann wurde Bond zum Berserker. Mit Fäusten und Knien stieß er hinein in den sich wehrenden Körper und hämmerte mit der Stirn wieder und wieder in das glitzernde Gesicht unter sich. (...) Goldfinger umkrallte jetzt seine, er Goldfingers Gurgel. Tief, tiefer, noch tiefer bohrte Bond seine Daumen in die Schlagader und stieß atemringend sein ganzes Gewicht nach. Nur jetzt nicht loslassen, ehe der andere tot war ...“

So lässt Ian Fleming den Schurken Goldfinger in seinem gleichnamigen Roman von James Bond zur Strecke bringen.

Davon später mehr.

Ernő Goldfinger (1902–1987) war ein in Ungarn geborener Architekt und Designer. In den 20er Jahren studierte er in Paris bei Mies van der Rohe und Le Corbusier, bevor er 1934 der Liebe wegen nach London übersiedelte. Als die britische Regierung in den 50ern staatliche Programme auf den Weg brachte, um den Bau von Hochhäusern zu forcieren – mehr als vier Millionen Gebäude waren im zweiten Weltkrieg zerstört worden – wurde Goldfinger zu einem der prominenten Vertreter der modernen Hochbauarchitektur.

Der Ungar wollte der Zersiedelung der Stadt entgegentreten und den Bewohnern Licht, Luft und spektakuläre Aussichten verschaffen. Zu seinen bekanntesten Projekten gehörten der Balfron Tower und der 98 Meter hohe Trellick Tower, der in den 70er Jahren wegen Vandalismus und Kriminalität in „Tower of Terror“ umgetauft wurde. Heute ist das Gebäude ein Wahrzeichen von Notting Hill. Goldfingers Architektur ist wie alle modernistische Architektur dieser Zeit sehr umstritten. An Kritikern und Gegnern mangelte es Goldfinger daher nie.

Kaum lag der Entwurf für sein eigenes Haus in Hampstead vor, erregten sich die Gemüter: Der Flachbau verschandele die historische Nachbarschaft.

Sein eigenes Haus sollte Goldfingers Visitenkarte als Architekt sein: wohnlich, praktisch, familienfreundlich, dabei weder steril noch prätentiös. Um die Anwohner nicht zu sehr zu provozieren, versteckte er den von ihm heiß geliebten Sichtbeton hinter rotem Backstein. 48 Jahre lang lebte Ernö Goldfinger in diesem Haus, bis zu seinem Tod 1987.

Einer der Nachbarn Goldfingers war der Autor Ian Fleming, dem das moderne Gebäude ein Dorn im Auge war. Der Architekt, der nach dem Krieg zunächst Bürogebäude für den „Daily Worker“ und die British Communist Party baute, war für den strammen Antikommunisten Fleming die ideale Reizfigur. Der Bond-Autor rächte sich auf seine Weise für den Schandfleck in der Nachbarschaft: Er machte Goldfinger zum Oberschurken seines gleichnamigen Romans.

Als Ernö Goldfinger von Flemings Absicht erfuhr, alarmierte er gleich seine Anwälte. Fleming erklärte sich bereit, den Namen Goldfinger durch „Goldprick“ zu ersetzen und in einer Fußnote die Namensänderung zu erläutern. Der Streit endete in einem Vergleich. Der Verlag willigte ein, darauf hinzuweisen, dass es sich im Roman um fiktive Figuren handele, in der Werbung immer nur von Auric (statt Ernö) Goldfinger zu sprechen und dem Architekten sechs Belegexemplare zu übersenden.

Als fünf Jahre später der Film startete, wurde der Name Goldfinger endgültig zum Synonym für skrupelloses Verbrechertum.

Angeblich bekommt die Familie bis heute nächtliche Anrufe: „Goldfinger? Hier Agent 007!“.


(im)

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